Es sind nun schon 6 Tage vergangen und ich habe immer noch nix Neues in meinem Blog, ich weiß. Das liegt daran, dass ich immer nur sporadisch ins Internet kann. Im Wohnheim hab ich gar kein Internet und daher bin ich nun dabei, Stellen in der Nähe ausfindig zu machen, die Wireless – Internet anbieten.
Damit ich nicht alles vergesse, was ich so erlebe, schreibe ich nun meine Blog-Einträge in Word vor und kann sie dann ganz flott hochladen, wie ich hoffe.
Nun aber der Reihe nach:
TAG 1 in Metz (18.07.09)
Um ca. 11 Uhr morgens komme ich mit meinen Eltern auf dem Campus Saulcy an. Beim Empfang schiebt mir die Frau dort ein Blatt entgegen, das ich ausfüllen soll. Dieses Blatt kenne ich ziemlich gut, da ich es schon einmal ausgefüllt und zusammen mit ganz vielen anderen Dokumenten abgegeben habe. Auf meine Frage hin, wo denn der Rest sei, meint die Frau, sie würde nur dieses eine Blatt finden. Na prima! Dabei hatte ich vorher noch den Eindruck gehabt, ich sei eine Art Sonderfall, da ich ein Praktikum mache in Metz und nicht studiere und vor allem, weil ich mitten in den Semesterferien ankomme. Naja, ich habe den Wisch also ausgefüllt. Weiterhin kam noch ein Blatt dazu, das mein Papa unterschreiben musste. Das Krasse daran ist, dass da eine Art Schwur auf französisch drauf steht, den mein Papa abschreiben soll und dann unterschreiben muss. Und zwar in zweifacher Ausführung. Da mein Papa kein Französisch kann, ist es mir erlaubt, den Schwur abzuschreiben. Als ich am Ende ankomme, hat die Dame am Empfang anscheinend mitbekommen, dass ich das ein bisschen lächerlich finde und kopiert mir die Seite, damit ich den elend langen Text nicht noch mal abschreiben muss. Immerhin. Da meine Unterlagen noch nicht aufgetaucht sind, habe ich dann nur die Kaution bezahlen müssen. Für die Miete sehe man dann Dienstagmorgen weiter. Dann will sie mir jemanden vorbeischicken, genauer gesagt eine Putzfrau (oder Reinigungskraft für die ganz Peniblen), die mit mir den Etat des lieux macht. Das ist eine Art Bestandsaufnahme der Mängel im Zimmer, damit mir die nachher nicht angelastet werden können. Da erst montags jemand vorbeikommen kann, mache ich einen Termin um 8 Uhr ab (da um 10 Uhr mein Praktikum beginnt). Daraufhin habe ich den Schlüssel zusammen mit einer Magnetstreifenkarte erhalten, um ins Wohnheim selbst zu gelangen. Mit meinen Eltern dort angekommen, haben wir festgestellt, dass wir nicht ins Gebäude reinkommen. Ich bin dann also wieder zu der Frau am Empfang gerannt, die meinte, laut PC müsse das aber funktionieren. Ich also wieder zurück. Wieder nix. Wieder zu der Frau. Die macht mir ne neue Magnetstreifenkarte und meinte, sie hofft, mich nicht wiederzusehen. Was für ein schöner Willkommensgruß!!!
Allerdings sind wir dann auch ins Gebäude reingekommen. Das Zimmer scheint auf den ersten Blick ok zu sein. Duschen und Toiletten hingegen sind relativ unhygienisch. Bei den Duschen ist nur die Duschtasse annehmbar, an der Wand n bisschen Schimmel und der Putz löst sich wegen der Feuchtigkeit von der Decke. Also Augen zu und durch, im wahrsten Sinne des Wortes. Wie ihr seht, hab ich schon mehrmals da geduscht und ich lebe immer noch nach 5 Tagen. Nun schnell die Sachen ins Zimmer geräumt und ab in die Stadt. Wir sind alle relativ ausgehungert. Essen und dann der Abschied von meinen Eltern. Fühle mich auf einmal voll mies. Will nicht alleine ins Wohnheim zurück und überhaupt alles voll doof. Abschiede sind immer doof. Naja, irgendwann muss das ja sein. Nach dem Abschied muss ich noch ein paar Sachen einkaufen, Müllbeutel zum Beispiel. Danach irre ich mehr oder weniger noch n bisschen durch die Stadt, weil ich noch völlig neben mir bin. „Zu Hause“ angekommen, räume ich erstmal mein Zimmer ein. Ich mache sauber, räume um, beziehe mein Bett mit meinen Bettsachen (Gott sei dank habe ich die mitgenommen, wer weiß ob das Zeug von hier auch wirklich sauber ist), putze die Heizung (völlig verstaubt, kann man ja nix drüber hängen sonst) usw. Das nimmt schon einige Stunden in Anspruch. Danach fühle ich mich aber schon wesentlich besser als zuvor.
Ab geht’s in ein Internetcafé, das ich auf dem Weg von der Stadt zum Campus entdeckt habe. Dort ist es zwar ganz nett, weil’s schöne alte Holztische gibt und guten Espresso, aber es zieht wahnsinnig zur Tür rein. Daher habe ich auch nur die nötigsten Sachen gemacht. Am Abend bin ich dann völlig erledigt ins Bett gefallen.
TAG 2 (19.07.09)
Es ist Sonntag, daher mache ich auch nicht viel. Ausschlafen, duschen, mich ein bisschen sortieren. Nach der Küche gucken. Ich treffe einen Afrikaner auf dem Gang und frage ihn danach. Er erklärt, dass zwei der 4 Küchen zu sind während der Ferien und dass ich ein oder zwei Stockwerke höher gehen muss. Danach ein erstes Sightseeing. Mache Fotos und genieße die Ruhe in der Stadt. Das Wetter ist toll, warm und etwas windig, aber sehr angenehm. Ansonsten mache ich nicht mehr allzu viel an diesem Tag. Musik hören, Filme gucken (danke, Stephan!). Abends auf dem Weg zur Toilette, kommt mir in dem schlecht beleuchteten Gang ein Afrikaner entgegen, der eigentlich grade am Telefonieren ist. Er meint aber im Vorbeigehen: „Tu es jolie“. Irgendwie fand ich das da abends n bisschen gruselig und konnte das nicht wirklich als Kompliment auffassen. Zumal ich ja schon im Pyjama war (an meine Capoeira-Kollegin: ist das schon brisant genug als Information?).
TAG 3 (20.07.09)
Ich stehe früh auf, weil ja die Putzfrau vorbeikommen soll. Um ca. halb neun (zur Erinnerung, der Termin war um 8 Uhr) mache ich mir Frühstück, weil ich nicht länger auf die warten will. Und das ist auch gut so, sie kommt nämlich nicht (mehr). Um halb zehn geht’s dann auf zum Praktikum. Wieder tolles Wetter und so genieße ich den Weg zum Office de Tourisme. Als allererstes stellt mir Sophie, meine Chefin, die ganze Belegschaft vor und ich kann mir natürlich kaum einen Namen richtig merken. Bei ca. 20 Namen in einer halben Stunde ist das auch schwierig. Dann kriege ich das Manuel de Qualité in die Hand gedrückt. Das ist ein ziemlich dicker Ordner, in dem alle Reglementierungen drinstehen. Werden die alle beachtet, ist die 4-Sterne-Qualität gegeben. Das heißt, Tourismus-Büros in Frankreich haben Sterne wie Hotels. Bei 4 Sternen wie wir sie haben, müssen wir zum Beispiel auch Möglichkeiten für Behinderte anbieten. Nicht nur für Rolli-Fahrer, sondern auch für Blinde. Wir haben ein Heft in Braille-Schrift, das sich Blinde durchlesen können. Auch Leute die schlecht hören, können zu uns kommen. Manche meiner Kollegen sind dazu zum Beispiel sogar extra ausgebildet. Wir haben Material von allen 3-4 Sterne Tourismusbüros in Frankreich und informieren auch über angrenzende Länder wie Luxemburg, Deutschland und Belgien. Bis ich einen Teil vom Ordner durchgelesen habe, ist es schon Mittagspause. Gott sei Dank. Mein Kopf raucht und ich brauch ne Pause. Trotz Essen und genügend Trinken bekomme ich ziemliches Kopfweh. Am Nachmittag nehme ich an einer Stadtführung teil, damit ich später auch weiß, von was ich rede, wenn ich meine Kunden bediene. Das kommt mir sehr gelegen. Mein Kopfweh wird dadurch zwar nicht besser, aber ich habe mal ein bisschen Bewegung und lerne was Praktisches. In der einen Gruppe sind sogar Deutsche. Da kann ich mich sogar sprachlich mal ein bisschen erholen. Den ganzen Tag Französisch reden ist nämlich anstrengend. Bei der Führung entdecke ich tolle Ecken, die ich bisher noch gar nicht kannte. Als ich zurückkomme, ist es schon viertel vor sechs, d.h. eine Viertelstunde wird noch gearbeitet. Zurück in meinem Zimmer, esse ich noch was Kleines und falle wie tot ins Bett und schlafe fast durch bis morgens.
TAG 4 (21.07.09)
An diesem Morgen stehe ich wieder früh auf, um zu der netten Dame vom Empfang zu gehen, die meine Unterlagen verloren hatte. Als ich dort ankomme, erklärt sie, sie habe sie zusammen mit der Kollegin wiedergefunden. Irgendwie sind die da nicht wirklich organisiert. Auf die Frage nach der Putzfrau hin, meint sie nur, ja, ich hab ihr einen Zettel hingelegt, den sie eben nicht mitgenommen hat. Ich soll doch morgens einfach eine Putzfrau suchen aufm Gang und die dann anhalten.
Naja, auf dem Weg zur Arbeit treffe ich einen Jungen aus dem Wohnheim. Als er hört, wie das mit der Putzfrau bisher gelaufen ist, meint er, er versucht, jetzt noch jemanden zu erwischen und Bescheid zu sagen. Auf der Arbeit angekommen, mache ich mich als erstes auf zu meinem geliebten Ordner, der durchgearbeitet werden will. Direkt nach der Mittagspause (diesmal entspannt und ohne Kopfweh), mache ich wieder eine Führung mit. Dieses Mal mit dem Petit Train, einem Bimmelbähnchen. Hier bekommen wir Kopfhörer und können alle möglichen Sprachen einstellen. Ich wechsele zwischen Französisch, Italienisch und Deutsch hin und her, damit ich später alles in den Sprachen erklären kann. Am Ende will ich mich noch mal bei dem Fahrer bedanken und verabschiede mich doch fast auf Deutsch, weil ich das kurz zuvor noch gehört hatte. 2 Sekunden früher und ich hätte den auf Deutsch angequatscht, als sei es die natürlichste Sache der Welt. Danach lerne ich A. kennen, eine supernette Kollegin, die mir alles mit einer Engelsgeduld erklärt. Am Ende des Tages bin ich zwar müde, aber es geht mir viel besser als am ersten Tag. A. erklärt mir dann auch noch, wie ich am besten zu einem LIDL komme (bisher war ich immer nur in einem Einkaufszentrum, weil das das Nächste war). Auf einmal meint sie dann, sie könne mich ja auch mal zum Einkaufen mitnehmen. Und schwuppdiwupp habe ich für Donnerstag (meinen freien Tag in dieser Woche) einen Termin. Toll! Da kann ich dann auch mal ein paar schwerere Sachen kaufen. Nach der Arbeit habe ich mir noch eine Hose gekauft, weil ich gesehen hab, dass ich eigentlich keine Jeans anziehen darf auf der Arbeit. Dank Schlussverkauf hat die auch nicht mehr viel gekostet.
An dem Abend hab ich nur noch mal einen Film geschaut (wiederum ein Dankeschön an S.), auch um dem einen Afrikaner zu entgehen (der mit der Küche), der meint, wir seien jetzt voll die dicken Freunde und wir könnten unsere komplette Freizeit miteinander verbringen. Ist mir aber ein bisschen unangenehm, weil ich den ja kaum kenne. Das merkt der aber nicht.
Danach schlafen und ins Bett.
TAG 5 (22.07.09)
Morgens krieg ich das endlich mit dem Etat des lieux geregelt und finde eine Putzfrau (nachdem mir einer der Afrikaner geholfen hat, die Liste schon mal provisorisch auszufüllen). Allerdings bleibt keine Zeit mehr für Frühstück. Auf dem Weg zur Arbeit, kaufe ich mir also schnell ein Croissant. Unterwegs laufe ich einem halben Kindergarten über den Weg, das ist toll und macht gute Laune. Die Arbeit findet heute für mich fast ausschließlich am Empfang statt. Ich berate einen Kunden nach dem nächsten und es klappt auch schon einigermaßen. Leider brauche ich noch etwas lange, um manche Prospekte rauszusuchen. Bei Städten irgendwo in Frankreich muss ich erstmal schauen, dass ich herausfinde, welches Département das ist. Das nervt mich. Ich wäre da gerne etwas schneller. Das wird aber auch noch. Ansonsten bin ich echt stolz drauf, schon zweimal Kunden auf Englisch beraten zu haben. Ich mache ja kein Englisch mehr seit ca. 5 Jahren. Zumindest nicht aktiv. Dann gehe ich mit einer anderen Praktikantin Prospekte an Restaurants verteilen. Die Arbeit wird ab 17:00 ruhiger. Kaum mehr jemand da. Das heißt, ich fülle Prospekte auf und trage sie aus dem Keller hoch und erledige andere kleine Arbeiten. Und endlich habe ich mal Gelegenheit mit den Kollegen etwas mehr ins Gespräch zu kommen. Ansonsten kriegt man ja nicht mit, wie wer „drauf“ ist. Am Ende des Tages bringe ich auf dem Rückweg Richtung Campus bei einem anderen Restaurant noch Prospekte vorbei. Liegt ja auf dem Weg. Die sind da alle sehr nett.
Dann habe ich noch einen kleinen Unfall. Als ich die Tür zum Wohnheim aufmache, haue ich sie mir gegen meinen Fuß und schwupps ist ein Stück Fußnagel abgebrochen. Und blutet. Und ich hab natürlich alles Mögliche da, nur kein Pflaster oder eine Heilsalbe. Also säubere ich die Stelle so gut es geht und ziehe einen Strumpf über, damit kein Dreck reinkommt.
Eine halbe Stunde später, kommt der Junge aus dem Wohnheim bei mir vorbei (der, der mir mit der Putzfrau geholfen hat) und versucht vergeblich, Internet in meinem Zimmer gangbar zu machen. Später gehe ich ins Subways, weil es dort kostenlos Internet geben soll. Und tatsächlich, es funktioniert. Endlich fühle ich mich mal nicht mehr so von der Welt abgeschnitten. Und bin im Internet bis fast zum Ende der Öffnungszeiten. Als ich rausgehe, gewittert es heftig und ich habe weder Schirm noch Jacke dabei. Und bei Blitz durch die Gegend laufen ist auch nicht so toll. Da es spät ist, gehe ich auch gleich ins Bett.
TAG 6 (gestern, 23.07.09)
Bin gegen neun Uhr aufgestanden. Eigentlich viel zu früh, wenn man bedenkt, dass heut Nacht um halb vier die Afrikaner ziemlich laut diskutiert haben.
Dann habe ich gefrühstückt und bis jetzt an meinem Blog geschrieben. Jetzt gleich gehe ich in die Unibibliothek und gucke, ob ich vielleicht mal die Sachen ins Internet stellen kann. Danach (oder auch davor, mal sehen) gehe ich in eine Apotheke, um mir meinen Fuß halbwegs versorgen zu lassen. Um kurz nach eins werde ich dann einkaufen gehen. Achso, was ich vergessen habe: Ich habe zurzeit eine französische Handynummer und mittlerweile natürlich auch eine Adresse. Bitte mir eine E-Mail schreiben, falls ihr die wissen wollt. Die Sachen müssen ja nicht so im Internet herumstehen. Falls ihr meine E-Mail-Adresse nicht wisst, könnt ihr mir gerne einen Kommentar im Blog hinterlassen, das geht zum Autorisieren auch erstmal an meine E-Mail-Adresse. So, ich hoffe, ich komme nun etwas öfter zum Schreiben. LG, eure Sarroise à Metz.